Zwei in Einem:
Kreuz und Auferstehung
In der Kapelle im Bettenhaus hängt an der hell ausgeleuchteten Stirnwand eine überraschende Skulptur*, die an ihrer zentralen Position unschwer als Kreuz zu erkennen ist. Und doch darf verwundern, wie die Y-Form des Gabelkreuzes vom gekreuzigten Christus fast zurückgelassen wird: Nur noch die Spitzen der gestreckten Füße und die Handrücken sind mit den Balken verbunden, ansonsten steht er frei davor, anstatt – wie üblich – daran mit schwerem Leib zu hängen. Als ob er aus einer Höhle, aus einem sich öffnenden Portal hervorträte … Da fällt dann auf, dass auch die Kreuzbalken überdimensional dick erscheinen und tatsächlich eher wie ein Hintergrund wirken, als wie das klassische Kreuz an dem der Corpus des Toten hängt.
Dennoch tritt der Gekreuzigte hier nicht als strahlend-verklärter Sieger hervor, wie ihn so manche Darstellungen der Auferstehung zeigen. Nein, schaut man genau hin, so trägt er die leidend ausgemergelten Gesichtszüge, wie sie besonders ausdrucksvoll bei den Gabelkreuzen vom Anfang des Hochmittelalters im Rheinland zu finden sind.
Deutlich wird: In diesem Bild sind übernommene Formen in einer ungewohnten Weise neu gesetzt und setzen Akzente. Dieser Leidenschristus tritt hervor, dem Betrachter entgegen, lässt sich sehen ...